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Datum: 24 Aug 2008 07:52:38 GMT,    Newsgroup: de.etc.selbsthilfe.missbrauch        back       

Mißbrauch und emotionale Näheemotionaler   
Hallo!
Die Traumatisierung nach der "Phimosebehandlung" und das Verbot der
Selbstbefriedigung durch meine Mutter ist noch nicht alles, was ich als
Kind erdulden musste. Ich bin auch massiv emotional mißbraucht worden.
Leider kann ich mich an Einzelheiten in meiner Kindheit nicht erinnern, nur
in der Jugend. Es ging einmal darum, warum ich etwas (was, weiss ich nicht
mehr) nicht mache. Ich: "Weil ich Angst habe." Meine Mutter wutentbrannt:
"Das ist eine faule Ausrede!" Oder wütend: "Du sitzt hier nur herum und die
anderen machen so viel!"

Und heute fühle ich mich nicht wohl bei emotionaler Nähe, auch wenn es
erfreuliche emotionale Nähe ist! Bin fast ganz alleine. Ich habe keine Lust
mehr, dieses qualvolle Leben zu ertragen!

Gruß, Michael
Datum: 24 Aug 2008 07:52:38 GMT   Autor:   Michael

Re: emotionaler Mi?brauch und emotionale N?he   
x-no-archive: yes
On 24 Aug 2008 07:52:38 GMT, Michael
 wrote:

Hallo,

>Die Traumatisierung nach der "Phimosebehandlung" und das Verbot der
>Selbstbefriedigung durch meine Mutter ist noch nicht alles, was ich als
>Kind erdulden musste. Ich bin auch massiv emotional mißbraucht worden.
>Leider kann ich mich an Einzelheiten in meiner Kindheit nicht erinnern, nur
>in der Jugend. Es ging einmal darum, warum ich etwas (was, weiss ich nicht
>mehr) nicht mache. Ich: "Weil ich Angst habe." Meine Mutter wutentbrannt:
>"Das ist eine faule Ausrede!" Oder wütend: "Du sitzt hier nur herum und die
>anderen machen so viel!"

ich fürchte, ich kann dir das folgende nicht ersparen:

was dir damals auch immer angetan wurde, so trägst du dafür keinerlei
Schuld. Man trägt als Mensch immer nur die Verantwortung für das, was
man tut, nicht für das, was andere tun - wie sollte man das auch ohne
Freiheitsberaubung (worunter auch Zwang fällt) tun?

Die Ecke, wo deine Verantwortung ins Spiel kommt, fällt in das hier
und heute. Die Verantwortung, die du trägst, ist, für dich zu sorgen,
dafür zu sorgen, daß es dir gut geht. Offentsichtlich haben andere
einiges an dir verbrochen, und nun liegt es - so unfair es ist - an
dir, diese Schäden zu beheben.

Und ja, das ist alles andere als einfach. Es ist wie ein
Grubenunglück: jemand hat dich in eine Grube geschickt und danach den
Eingang gesprengt. Alleine kannst du dich da beim besten Willen nicht
rauswühlen - hier braucht es dringend professionelle Hilfe. Was beim
Grubenunglück THW, Feuerwehr und Bergrettung wäre, ist bei dir in
Personalunion der Psychotherapeut.

Der Psychotherapeut ist dabei keiner, der in deinem Gehirn
herumoperiert. Es ist nur (nur...) einer, der dir verbal den Spiegel
vorhält - und das mit Fragen aufgrund dessen, was du ihm von dir aus
erzählst.

Über die Fragen gibt man sich selbst (nicht notwendigerweise dem
Psychotherapeuten, man kann sich auch seinen Teil einfach nur
denken... ;)) Antworten - die teilweise richtig weh tun, aber nunmal
leider wahr sind. Und das hilft auf Dauer, die Welt zu verstehen,
Dinge gerade zu Rücken, die einen in der Vergangenheit zermalmt haben.

>Und heute fühle ich mich nicht wohl bei emotionaler Nähe, auch wenn es
>erfreuliche emotionale Nähe ist! Bin fast ganz alleine. Ich habe keine Lust
>mehr, dieses qualvolle Leben zu ertragen!

Vermutlich wirst du bei meinem obigen Absatz erstmal zusammen gezuckt
sein. Wie notwendig du aber eine Therapie hast, zeigt dir deine eigene
Aussage hier.

Kein Leben, ich wiederhole: kein Leben muß "ertragen" werden. Jedes
Leben sollte gestaltet, glücklich ausgefüllt werden. Und das ist dann
auch ein schönes Leben.

Die Ausrüstung dafür gibt es wie gesagt beim Psychotherapeuten um die
Ecke.

Und mir fällt kein Grund ein, warum DU ein schönes Leben nicht
verdient haben solltest.

Bye, Michael (wie immer der zweite ;)).
Datum: Fri, 29 Aug 2008 10:43:59 +0200   Autor:   Michael

Mißbrauch und emotionale NäheRe: emotionaler   
Hallo Klaus und alle Mitleser...
Ein gutes neues Jahr!
Am Wed, 10 Dec 2008 01:37:01 +0100 schrieb Klaus Angsthase:
> Hallo Michael,
> 
>> Leider weiß ich nicht, wie ich den Gefühlsschaden beheben kann.
> ..
> 
>> Ich mache schon seit über zehn Jahren Psychotherapie, aber niemand kann mir
>> sagen, wie ich meine unangenehmen Gefühle ändern kann. Ich kann mich noch
>> millionenfach diesen Gefühlen aussetzen, sie ändern sich nicht, obwohl die
>> anderen Menschen nett sind.
> ..
> 
>> Ich denke, ich habe alles verstanden, auch mit Hilfe der Therapeuten. Aber
>> ändern konnte ich meine unangenehmen Gefühle damit leider nicht.
> ..
> 
> Es wäre schön, wenn man zum Psychodoc gehen könnte wie zum 
> KFZ-Mechaniker. Nur bei Menschen klappt das nicht und es gibt kein 
> "Jetzt helfe ich mir selbst - Mensch Baujahr 1968" ;-).

Naja, das Gehirn ist halt zu kompliziert, als dass man Ängste und sonstige
unangenehme Gefühle wegoperieren könnte.

> Er ist nicht Du und er konnte auch nirgends an einer Uni lernen wie 
> speziell Dir zu helfen ist. Er kann nur ein paar allgemeine Fertigkeiten 
> vermitteln wie Du selber an Dir den "Schaden" reparieren kannst.

Nein, keiner der Psychiater und Psychotherapeuten bei denen ich in
Behandlung war und bin konnte das.

> Psychotherapie ist halt keine Be-Handlung im medizinischen Sinn.
> 
> Das mit den Gefühlen ... hmmh ... also ich hätte auch mal gesagt "nun 
> hab ich 1000 mal mich mit den Gefühlen auseinandergesetzt ohne Ergebnis" 
> ... dabei hab ich habe diese Zeit lediglich mich herabgelassen diese 
> Gefühle zuzulassen.

Mit "Zulassen" hat das nichts zu tun. Die Ängste und unangenehmen Gefühle
kommen ja einfach und diese würde ich ja gerne nicht haben. Ich kann ja
nicht völlig abgeschnitten von der Umwelt leben, um meinen Ängsten aus dem
Weg zu gehen. 

> Zwischen zulassen und auseinandersetzen ist halt aber noch ein großer 
> Unterschied. Zulassen ist halt lediglich ein "Ich stehe sie halt durch 
> wenn sie kommen" ... warte halt ab bis sie um sind und schau was 
> passiert. Das bringt halt nicht viel ... außer das man sich bis zu 
> diesem Punkt halt immerhin soweit selber geändert hat, daß man sie 
> überhaupt zulässt.

"Zulassen" ist der falsche Begriff! "Bewusst wahrnehmen" würde ich sagen.

> Auseinandersetzen ist aber mehr ... Gefühle wie auch Ängste und 
> schlechte Träume haben zumindest bei mir scheinbar immer ganz konkrete 
> Ursprünge die in vergangenen Lebenssituationen liegen. Meißt sehr 
> konkrete. Und die gehören eben zu diesen ganzen Gefühlen und die Gefühle 
> sind lediglich ein Einstieg in genau diese Situationen.
> 
> Diese halt erstmal zu erkennen ... viele Situationen waren mir bewusst 
> gar nicht als wichtig klar. Schwer auch als heutiger Erwachsener über 
> Kindheitsdinge nachzudenken ohne den Fehler zu machen, sich selber im 
> nachhinein mit dem heutigen Horizont des Erwachsenen zu "beurteilen" und 
> dabei zu vergessen, daß man als Kind einen ganz anderen hatte.
> 
> Was mir halt so auffällt schon die ganze Zeit hier ... das mit Deiner 
> Mutter ist halt sonnenklar ... sie hat sich saumäßig verhalten und ist 
> ziemlich #+*()?-@ ...

Ich war über Weihnachten bei ihr und hab' mich von ihr verwöhnen lassen.
Sie hat es kommentarlos geschluckt, dass ich ihr nicht zum Geburtstag
gratuliert habe, aber auch den von mir verfassten Entschuldigungsbrief, den
ich gerne von ihr hätte, hat sie ignoriert. Niemand der sie kennt käme auf
den Gedanken, dass sie mich brutal emotional missbraucht hat, sondern würde
sie als herzensgute Frau und Mutter beschreiben.

> Du kannst offen über sie schimpfen ... andere können das hier auch ... 
> und es bringt Dir trotzdem nicht viel.
> Solche Konstellationen hatte ich halt auch ... da gabs Typen über die 
> ich dann irgendwann schimpfte ... andere taten das dann auch ... fein 
> ... eigentlich total klar alles ... und dennoch wurden die schlechten 
> Gefühle und Probleme dadurch nicht besser.

Ja. Leider nicht. Aber Wut rauslassen tut gut.

> Was weiss ich ... mein Onkel z.B. ... ein Detail war, daß er damals vor 
> meinen Augen unser Zwergkaninchen umbrachte. Das war traumatisierend und 
> ich habs 15 Jahre lang und mehr komplett verdrängt ... also richtig ohne 
> jegliche bewusste Erinnerung ... dann Therapie ... und irgendwann kam 
> das raus. Na fein ... da hab ich dann "brav" diese Gefühle zugelassen 
> 1000 Mal ... war mir erwachsen logisch klar was für ein Drecksack mein 
> Onkel war ... und dennoch ... nix wurde im Heute besser.

Mmh. Was für Beschwerden hattest Du denn? War das Angst bei bestimmten
Situationen?

> Nach ewigen Jahren erwachsener Therapie ging mir immer mehr die Puste 
> aus. Und dann erst gab es wirkliche Auseinandersetzung statt lediglich 
> Zulassen. So erwachsen logisch das eben klar war was für ein Drecksack 
> mein Onkel war ... dem kleinen Klausi brachte all das gar nix den dieses 
> Kind denkt ganz einfacher und anders ... da war ewig begraben ein "Hätte 
> ich nicht dann würde Hasi noch leben" ... und das war in diesem 
> einzelnen Punkt die wirkliche Ursache für ein schlechtes Gefühl, was ich 
> ja so schön erwachsen jahrelang "therapiert" hatte. Wobei ich erwachsen 
> Klaus eben mit dem Blick von heute alles so fein logisch klar hatte. Das 
> ging ja immer ganz klar um den Drecksack da ... so wie vielleicht ganz 
> klar so viel mit Auseinandersetzung zum Ziel Deine Mutter haben muss.
> 
> Die Dinge die einen aber so nachhaltig fertigmachen bis in alle Ewigkeit 
> sind nicht die klaren Dinge ... es sind die ungellösten Dinge ... und 
> zwar die von einem Menschen auf dem Status wo sie passierten. Es zählt 
> nicht das "Wie finde ich das jetzt wie fühle ich das jetzt und wie denke 
> ich da jetzt drüber" ... das kann dann plötzlich ganz anders werden, 
> wenn man es schafft wieder an die Zeit anzuknüpfen, wo all das 
> passierte. Und dann kommt man z.B. auf kindliche Selbstvorwürfe die man 
> eben damals verinnerlichte und nach 20 Jahren bewusst überhaupt nicht 
> mehr kapiert. Dennoch sind sie da ... eben in Form dieser Gefühle.

Selbstvorwürfe sind es bei mir nicht, sondern unangenehme Gefühle aufgrund
der emotionalen Misshandlungen meiner Mutter. Wenn man so will ist das auch
eine Art Erziehung, aber eben eine negative.

> Du setzt Dich halt auch so extrem mit Deiner Mutter auseinander wie ich 
> z.B. mit diesem Onkel. Verständlicherweise und logischerweise ... aber 
> eben zu logisch ... wenn es rein nur an ihr liegt und es reichen müsste 
> ihren Dreck alles zu "sortieren" ... müsste schon viel mehr besser sein.
> Was ich halt in einer ähnlichen Phase eben immer noch nie tat ... ist 
> eine wirkliche Auseinandersetzung mit diesen Gefühlen ... eben das 
> zulassen so dermaßen, daß man dann wieder dieses Kind ist ... und das 
> einem endlich mal klar wird wie man als Kind damals selbst gedacht und 
> empfunden hat. Und eben was es da ursähclich plötzlich für massive 
> Selbstvorwürfe gabe ... wo man dann wieder so erwachsen schockiert ist, 
> weil man _das_ _so_ doch die ganzen Jahre Therapie nie gedacht hat von 
> "sich" ... bewusst ... das ist es aber dann ... diese Dinge sind da und 
> _das_ sind die Ansätze dann auch etwas ändern zu können ...

Etwas ändern wäre bei mir die Ängste weniger werden zu lassen, wenn meine
Mitmenschen freundlich zu mir sind. Man kann sich aber nicht fühlen wie man
will.

> Hmmh ... es ist halt schwer zu vermitteln ... ich will nix unwichtig 
> machen was z.B. Deine Mutter alles tat ... das nicht ... wo ich halt hin 
> will ist meine Erkenntnis, daß eben meine Ursachen für so nachhaltige 
> Probleme im Heute eben doch ganz woanders oft liegen. Nicht in den 
> klaren Schandtaten von klaren Charakterschweinen ... das ist alles 
> sonnenklar erwachsen logisch wie und was die sind ... die Probleme an 
> denen sich dann auch was ändern ließ lagen hier eigentlich immer in den 
> Problemen mit sich selber ... die ganzen Schlußfolgerungen die man über 
> Jahrzehnte zu sich selber zog ... sich selber vorwirft ... warum man 
> sich selber für Dreck hält. Der Anlaß zu alledem war sicherlich z.B. so 
> ein externes Dreckschwein von damals ... aber man kann sich noch solange 
> mit diesem dann auseinandersetzen ... das was schwerer wirkt ist eben so 
> der eine oder andere Selbstvorwurf, der einem so gar nicht klar war oft.
> 
> Und das ist dann eben das, was so ein Psychodoc lapidar "mit Gefühlen 
> auseinandersetzen" meint ... und es ist halt das wo ich mal dachte, mich 
> doch nun 5 Jahre lang mit Gefühlen auseinandergesetzt zu haben, um dann 
> zu kapieren, daß ich in diesem Moment dann erst damit angefangen hatte.
> 
> Bei Dir fiel mir irgendwo ein Satz besonders auf ... von wegen Du kannst 
> Dich ja nicht an die Kindheit erinnern aber da wäre schon genug in 
> Deiner Jugend.

Doch, an die fatale "Phimosebehandlung", als ich drei oder vier Jahre alt
war und an die darauffolgende brutale Abfuhr auf mein sexuelles Interesse
an meiner Mutter kann ich mich noch erinnern, aber nicht an weitere
emotionale Misshandlungen.

> Genau so hätte ich das auch mal ausgedrückt ... habe als 
> Erwachsener mal meinen Lebenslauf quasi nur halbwegs mit Schulzeugnissen 
> zusammengebröselt bekommen um überhaupt was über Kindheit zu sagen. 
> Heute sind mir teilweise Dinge aus frühester Kindheit präsent ... kann 
> meinen Spaß dran haben meinem Vater einen Traktor bis ins kleinste 
> Detail zu beschreiben, der 1970 verschrottet wurde und auf dem mich mein 
> Opa 1969 als einjähriges Windelpaket oft mitgenommen hatte.
> 
> Das Problem halt ... Erinnerungen funktionieren immer mehr nur über 
> Emotionen je weiter sie zurückliegen ... und immer weniger halt über 
> dieses rein kopflastige wie es ein Erwachsener tut. Wenn man das bewusst 
> oder unbewusst scheut, dann meint man eben nur an Erinnerung maximal bis 
> in die frühe Jugend zu kommen. Genau nur bis dahin, wo ein Mensch reif 
> genug ist die Welt eben mit dem Kopf zu erklären und bald nur noch so zu 
> betrachten. Die wirklichen Ursachen für viele Dinge liegen aber schon 
> vorher oft.

Ja, die liegen in der frühen Kindheit.

> Naja ... soviel erstmal
> 
> Lieben Gruß
> Klaus

Danke und Gruß, Michael
Datum: 02 Jan 2009 12:39:23 GMT   Autor:   Michael



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