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Datum: 26 Jun 2008 17:54:18 GMT,    Newsgroup: de.etc.selbsthilfe.missbrauch        back       

Brief an meine Mutter   
Anmerkung der Moderation (Hannah): Spoiler nach Absprache mit Michael
eingefügt.

Spoiler wegen Klartext (bestimmtes Körperteil, "Behandlung" daran und
Folgen davon).

*

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| Hallo Mama!
| Mit Deiner Phimosebehandlung hast Du verheerenden Schaden
| an meiner Seele angerichtet! Du hast mir das Leben damit
| zur Hölle gemacht. Ich verstehe nicht, wie Du nur auf die
| Idee kommen konntest, mir als kleinem Bub an den Penis zu
| fassen. Die Phimose hättest Du behandeln müssen, als ich
| noch ein Baby war, da wäre kein seelischer Schaden entstanden.
| Gebracht hat die Behandlung übrigens überhaupt nichts, denn
| ich habe immer noch eine Phimose.
| 
| Ich fühle mich wie ein kleiner Bub, habe Angst und Depressionen,
| bin zittrig und lebe in Einsamkeit. Eine Phimose ist nichts
| dagegen. Das hätte ich lieber als Erwachsener selbst entschieden,
| ob diese behandelt wird oder nicht. Und wenn der Arzt gesagt hat,
| Du sollst es machen, ist das keine Ausrede!
| 
| Gruß, Michael

.
Datum: 26 Jun 2008 17:54:18 GMT   Autor:   Michael

Re: Brief an meine Mutter   
Hallo Michael,

Ich bin hier seit Ewigkeiten nicht mehr aktiv gewesen und fang nun 
wieder mit meiner Antwort an Dich an.

Ich kenne es recht gut wenn eine erwachsene Frau die Grenzen eines 
Jungen drastisch verletzt. Auch wenns nicht meine Mutter war und die 
Situation wohl anders geartet ... naja.

Ich würde gerne wissen, ob Du diesen Brief auch abgeschickt hast an 
Deine Mutter, oder ob Du ihn "symbolisch" geschrieben hast quasi als 
Thearpieansatz?

Eltern die vor Jahren _in_ der Situation ignorant gehandelt haben sind 
meißtens im Abstand von Jahren oder gar Jahrzehnten leider oft nicht 
schlauer geworden.
Wie schätzt Du es ein das die Reaktion ausfällt ... was erhoffst Du oder 
befürchtest Du?

Meine Situation war, daß der erste weibliche Mensch in den ich mich 
verliebt hatte, meine Grenzen drastisch bombardierte. Ich war "schon" 14 
und der Schönheitsfehler war nun mal, daß sie 25 war.
Die Ähnlichkeit zu Dir sehe ich nun darin, daß ich mit 14 noch 
vollkommen Kind war und in dieser Frau eher vieles suchte, was ich von 
meiner Mutter nicht bekam. Ich sah mindestens zur Hälfte eher einen 
Mamaersatz in ihr statt einer "Freundin".

Und die Folgen waren halt drastisch auch wenn ich das erst 10 Jahre 
später anfing zu begreifen. Mit Einsamkeit kann ich noch recht gut 
umgehen. Bin charakterlich sowieso eher der Erimit und hab mich mit 
einem isolierten Leben lebbar arrangiert.

Bei Deinem kurzen Brief kann man als Außenstehender bisher nur erahnen 
was für Dich die Folgen waren. Da sind dazu die vier Schlagworte 
Depression Angst zittrig und EinsamKeit.

Ich erinnere mich nun gut daran, daß in meiner Aufarbeitung erstmal 
Jahre fällig waren um diese Worte in Verbindung mit mir überhaupt gelten 
lassen zu können. Diese Schlagworte dann auszusprechen bzw. zu schreiben 
   war aber erst der Anfang. Beschreib sie ... ihre Situationen und wie 
sie sich für Dich anfühlen.

Kennst Du Harry Potter? Wenn ja dann mal der Vergleich ... am Anfang von 
Aufarbeitung ist man nach Überwindung soweit "den dessen Namen nicht 
genannt werden darf" dann doch beim Namen zu nennen. "Woldemort" oder 
eben "Angstanfälle" "Depressionen" "Einsamkeit". Damit geht es aber erst 
los sich mit diesen schwarzen leuten auseinanderzusetzen.

Und zu Deinem Brief an sich ... ich hab es zu häufig bei anderen 
Menschen mitbekommen die ähnliche Briefe an die Leute schickten, die 
Ursachen ihrer Probleme waren. Man baut Hoffnungen auf an eine 
womögliche Reaktion die wenigstens im Nachhinein etwas nun verändern 
würde ... leider fällt die dann zu häufig eher recht plump aus. Mach 
also Bitte Deinen Vorsatz, Dich mit Deinen Problemen zu beschäftigen 
nicht unbemerkt abhängig von ihrer Antwort die womöglich nie kommen wird 
oder nicht so wie Du hoffst. Der Brief sollte für Dich ein Startschuß 
sein, Dich selber mit Dir intensiv auseinanderzusetzen und darf nicht 
darin abdriften, daß er Dich bis zu einer womöglichen Antwort in eine 
"Warteschleife" versetzt.

Also fang gerne auch hier an damit.

Lieben Gruß

Klaus
Datum: Sat, 05 Jul 2008 13:41:40 +0200   Autor:   Klaus Angsthase

Re: Brief an meine Mutter   
Hallo Klaus,
 
> Ich bin hier seit Ewigkeiten nicht mehr aktiv gewesen und fang nun 
> wieder mit meiner Antwort an Dich an.

Schön.
 
> Ich kenne es recht gut wenn eine erwachsene Frau die Grenzen eines 
> Jungen drastisch verletzt. Auch wenns nicht meine Mutter war und die 
> Situation wohl anders geartet ... naja.

Ja.

> Ich würde gerne wissen, ob Du diesen Brief auch abgeschickt hast an 
> Deine Mutter, oder ob Du ihn "symbolisch" geschrieben hast quasi als 
> Thearpieansatz?

Ich habe ihn am gleichen Tag wie das Posting abgeschickt. Antwort habe ich
noch keine bekommen.

> Eltern die vor Jahren _in_ der Situation ignorant gehandelt haben sind 
> meißtens im Abstand von Jahren oder gar Jahrzehnten leider oft nicht 
> schlauer geworden.

Selbst wenn sie schlauer werden würden. Es hilft ja nicht mehr, denn die
Fehlhandlung kann ja leider nicht mehr rückgängig gemacht werden.

> Wie schätzt Du es ein das die Reaktion ausfällt ... was erhoffst Du oder 
> befürchtest Du?

Ich glaube, dass keine Reaktion erfolgt. Es könnte sein, dass sie mich ohne
den Brief inzwischen mal angefufen hätte und dass weitere Anrufe
unterbleiben. Wahrscheinlich erhofft sie sich, dass ich ihr spätestens
anrufe, um zum Geburtstag zu gratulieren, als ob ich den Brief nie
abgeschickt hätte.
 
> Meine Situation war, daß der erste weibliche Mensch in den ich mich 
> verliebt hatte, meine Grenzen drastisch bombardierte. Ich war "schon" 14 
> und der Schönheitsfehler war nun mal, daß sie 25 war.

Ich war drei oder vier Jahre alt, als das Mißgeschick passierte, also genau
in der phallischen Phase. Die Folge war sexuelles Interesse an meiner
Mutter. Ich bekam eine böse und agressive Abfuhr.

> Die Ähnlichkeit zu Dir sehe ich nun darin, daß ich mit 14 noch 
> vollkommen Kind war und in dieser Frau eher vieles suchte, was ich von 
> meiner Mutter nicht bekam. Ich sah mindestens zur Hälfte eher einen 
> Mamaersatz in ihr statt einer "Freundin".
> 
> Und die Folgen waren halt drastisch auch wenn ich das erst 10 Jahre 
> später anfing zu begreifen. Mit Einsamkeit kann ich noch recht gut 
> umgehen. Bin charakterlich sowieso eher der Erimit und hab mich mit 
> einem isolierten Leben lebbar arrangiert.
> 
> Bei Deinem kurzen Brief kann man als Außenstehender bisher nur erahnen 
> was für Dich die Folgen waren. Da sind dazu die vier Schlagworte 
> Depression Angst zittrig und EinsamKeit.

Ich zähle mal auf: Ängste im Umgang mit anderen Menschen, z.B. beim
Einkaufen oder in Vereinen oder in der Arbeit. Isolationsgefühle bei
nichtanonymen Gruppen. Bisher unüberwindbare Ängste und unangenehme Gefühle
beim Versuch, eine Beziehung zu einer Frau aufzubauen. So starkes Zittern,
dass ich Probleme beim Essen und Trinken habe (Trinken aus dem Glas nur mit
Trinkhalm). Depressionen aufgrund der Partnerlosigkeit und den
gescheiterten Versuchen, Beziehungen aufzubauen. Gefühle haben, dass andere
Menschen etwas gegen mich haben, obwohl sie nett und freundlich sind.

> Ich erinnere mich nun gut daran, daß in meiner Aufarbeitung erstmal 
> Jahre fällig waren um diese Worte in Verbindung mit mir überhaupt gelten 
> lassen zu können. Diese Schlagworte dann auszusprechen bzw. zu schreiben 
>    war aber erst der Anfang. Beschreib sie ... ihre Situationen und wie 
> sie sich für Dich anfühlen.
> 
> Kennst Du Harry Potter? Wenn ja dann mal der Vergleich ... am Anfang von 
> Aufarbeitung ist man nach Überwindung soweit "den dessen Namen nicht 
> genannt werden darf" dann doch beim Namen zu nennen. "Woldemort" oder 
> eben "Angstanfälle" "Depressionen" "Einsamkeit". Damit geht es aber erst 
> los sich mit diesen schwarzen leuten auseinanderzusetzen.
> 
> Und zu Deinem Brief an sich ... ich hab es zu häufig bei anderen 
> Menschen mitbekommen die ähnliche Briefe an die Leute schickten, die 
> Ursachen ihrer Probleme waren. Man baut Hoffnungen auf an eine 
> womögliche Reaktion die wenigstens im Nachhinein etwas nun verändern 
> würde ... leider fällt die dann zu häufig eher recht plump aus. Mach 
> also Bitte Deinen Vorsatz, Dich mit Deinen Problemen zu beschäftigen 
> nicht unbemerkt abhängig von ihrer Antwort die womöglich nie kommen wird 
> oder nicht so wie Du hoffst. Der Brief sollte für Dich ein Startschuß 
> sein, Dich selber mit Dir intensiv auseinanderzusetzen und darf nicht 
> darin abdriften, daß er Dich bis zu einer womöglichen Antwort in eine 
> "Warteschleife" versetzt.
> 
> Also fang gerne auch hier an damit.
> 
> Lieben Gruß
> 
> Klaus
Danke.

Gruß, Michael
Datum: 06 Jul 2008 17:54:02 GMT   Autor:   Michael

Re: Brief an meine Mutter   
Hallo,
ich hab' mit meiner Mutter telefoniert. Sie hat alles auf den Arzt abgewälzt und
gesagt, sie hätte nur getan, was der Arzt ihr empfohlen hätte. Entweder war der
Arzt dumm (phallische Phase und Ödipuskomplex sind seit Freud bekannt) oder er
wollte mir Böses antun.

Gruß, Michael
Datum: Fri, 11 Jul 2008 08:51:36 +0200   Autor:   Michael

Re: Brief an meine Mutter   
Hallo Michael,

 > ich hab' mit meiner Mutter telefoniert. Sie hat alles auf den Arzt 
abgewälzt und
 > gesagt, sie hätte nur getan, was der Arzt ihr empfohlen hätte. 
Entweder war der
 > Arzt dumm (phallische Phase und Ödipuskomplex sind seit Freud 
bekannt) oder er
 > wollte mir Böses antun.

Ich weiss nicht ...
Besonders bei meiner eigenen Mutter ist da sowas ähnliches. Wenn die
"Obrigkeit" was sagt dann hat sie immer Recht.

Aber halten wir mal fest, daß sie wider Erwarten zumindest klar reagiert
hat.

Das irgendwer irgendwas sagt, entbindet Eltern nicht vom eigenen Kopf
... soweit vorhanden.

Was mir aber zu Deiner ersten Antwort bereits stutzig vorkam: mit 4
Jahren wird Dir nicht klar gewesen sein "So ich hab jetzt s*uelles
Interesse an meiner Mutter".
Und ich hab zwei Neffen. Einer zwei und einer sechs. In dieser Phase 2-4
Jahren scheinen Kinder zu lernen indem sie nachmachen. Stubs ihnen mit
dem Zeigefinger auf die Nase und sie versuchen ihrerseits ebenfalls an
Deine Nase heranzukommen. Das wird irgendwie ein Spiel. Streich ihm über
die Hand und er versucht das gleiche bei Dir.

Das geht automatisch. Und ich frag mich halt inwiefern das bei Dir
4Jährigem damals eben auch so sein konnte. Da Dir halt auf viel
persönlichere Weise nahegetreten worden ist, daß Du eben auf diese
kindliche Art ebenso persönlich reagiert hast mit "Was Du bei mir
darfst, darf ich auch bei Dir" ... oder eben die andere Variante, "Wenn
Du mir da unangenehm kommst, dann tu ich das auch bei Dir".

Frage mich halt, ob dieses "s*uelle Interesse" Dir zumindest damals am
Anfang "angehängt" wurde. Vielleicht auch weil dieser Arzt das eben so
nannte weil es in einem Lehrbuch steht. Und Du das eben erst spätter für
Dich verinnerlichtest.


Ansonsten zu den Folgen die Du schilderst kommt mir alles ziemlich
vertraut vor. Zu dem Thema Partnerin und Beziehung gab es das bei mir
bis fast 30 eigentlich nicht, oder wenn, dann eben nur sehr kurzfristig
weil das wegen meiner Probleme eben nie funktionieren konnte.
Zu den Problemen offen zu stehen ging erst mit 30 langsam los und da
hatte ich irgendwann dann doch eine Beziehung die leider nur aus anderen
Gründen schiefging und nicht mehr wegen der Probleme.
Der Unterschied war eben, daß ich mich traute offen zu "gestehen" was
ich für Probleme hatte und sie aussprechen konnte. Angst vor Nähe war
nunmal wesentlich besser zu "handhaben" wenn man nicht obendrein auch
noch alles versuchen musste, damit sie nicht auffällt. Früher wollte ich
mir das ja nicht eingestehen und das war unmöglich dann eben ...
jemanden nahekommen lassen den man eigentlich sehr mag und gleichzeitig
erwarten, daß man "normal" reagiert und seine Probleme versucht
unsichtbar zu halten ... das ging immer nur als Fiasko aus.

Ein wesentlicher Punkt ist eben, ob Du Dir selber Deine Probleme mit
Nähe usw. "vergibst" und dann auch offen dazu stehst und sie dem Partner
benennen und halbwegs erklären kannst und willst ... oder ob Du sie Dir
selber eben nicht vergibst und von _dir selber_ erwartest jetzt bei
diesem Menschen den Du doch magst gefälligst normal zu sein um dessen
Zuneigung nicht zu gefährden. Das wirkt als Turbolader für Angst dann,
wenn man sie sich noch nichtmal selber "entschuldigen" kann.

Wie ist das bei Dir...?

Lieben Gruß
Klaus
Datum: Sat, 19 Jul 2008 12:19:10 +0200   Autor:   Klaus Angsthase

Re: Brief an meine Mutter   
Hallo!
Am Sat, 19 Jul 2008 12:19:10 +0200 schrieb Klaus Angsthase:
> Hallo Michael,
> 
>> ich hab' mit meiner Mutter telefoniert. Sie hat alles auf den Arzt abgewälzt und
>> gesagt, sie hätte nur getan, was der Arzt ihr empfohlen hätte. 
>> Entweder war der Arzt dumm (phallische Phase und Ödipuskomplex sind seit Freud 
>> bekannt) oder er wollte mir Böses antun.
> 
> Ich weiss nicht ...
> Besonders bei meiner eigenen Mutter ist da sowas ähnliches. Wenn die
> "Obrigkeit" was sagt dann hat sie immer Recht.

Ja. Nicht nur beim Arzt, auch beim katholischen Beichtspiegel. Weil da
Selbstbefriedigen als Sünde drinsteht hat sie das uns Kindern verboten und
unterbunden, wenn sie's mitgekriegt hat. *kopfschüttel*

> Aber halten wir mal fest, daß sie wider Erwarten zumindest klar reagiert
> hat.
> 
> Das irgendwer irgendwas sagt, entbindet Eltern nicht vom eigenen Kopf
> ... soweit vorhanden.
> 
> Was mir aber zu Deiner ersten Antwort bereits stutzig vorkam: mit 4
> Jahren wird Dir nicht klar gewesen sein "So ich hab jetzt s*uelles
> Interesse an meiner Mutter".

Sexuelle Neugier war das auf jeden Fall. Die musste ich mit einem Trauma
teuer bezahlen *seufz*.

> Und ich hab zwei Neffen. Einer zwei und einer sechs. In dieser Phase 2-4
> Jahren scheinen Kinder zu lernen indem sie nachmachen. Stubs ihnen mit
> dem Zeigefinger auf die Nase und sie versuchen ihrerseits ebenfalls an
> Deine Nase heranzukommen. Das wird irgendwie ein Spiel. Streich ihm über
> die Hand und er versucht das gleiche bei Dir.
> 
> Das geht automatisch. Und ich frag mich halt inwiefern das bei Dir
> 4Jährigem damals eben auch so sein konnte. Da Dir halt auf viel
> persönlichere Weise nahegetreten worden ist, daß Du eben auf diese
> kindliche Art ebenso persönlich reagiert hast mit "Was Du bei mir
> darfst, darf ich auch bei Dir" ... oder eben die andere Variante, "Wenn
> Du mir da unangenehm kommst, dann tu ich das auch bei Dir".
> 
> Frage mich halt, ob dieses "s*uelle Interesse" Dir zumindest damals am
> Anfang "angehängt" wurde. Vielleicht auch weil dieser Arzt das eben so
> nannte weil es in einem Lehrbuch steht. Und Du das eben erst spätter für
> Dich verinnerlichtest.

Angehängt wurde mir nichts. Meine Mutter hat sich meine Annäherung nur
energisch verbeten.

> 
> Ansonsten zu den Folgen die Du schilderst kommt mir alles ziemlich
> vertraut vor. Zu dem Thema Partnerin und Beziehung gab es das bei mir
> bis fast 30 eigentlich nicht, oder wenn, dann eben nur sehr kurzfristig
> weil das wegen meiner Probleme eben nie funktionieren konnte.
> Zu den Problemen offen zu stehen ging erst mit 30 langsam los und da
> hatte ich irgendwann dann doch eine Beziehung die leider nur aus anderen
> Gründen schiefging und nicht mehr wegen der Probleme.
> Der Unterschied war eben, daß ich mich traute offen zu "gestehen" was
> ich für Probleme hatte und sie aussprechen konnte. Angst vor Nähe war
> nunmal wesentlich besser zu "handhaben" wenn man nicht obendrein auch
> noch alles versuchen musste, damit sie nicht auffällt. Früher wollte ich
> mir das ja nicht eingestehen und das war unmöglich dann eben ...

Ja. So ging es mir vor 10 und 7 Jahren auch, als ich Möglichkeiten für eine
Beziehung hatte. Da war mir die Angst vor Nähe noch überhaupt nicht klar.

> jemanden nahekommen lassen den man eigentlich sehr mag und gleichzeitig
> erwarten, daß man "normal" reagiert und seine Probleme versucht
> unsichtbar zu halten ... das ging immer nur als Fiasko aus.
> 
> Ein wesentlicher Punkt ist eben, ob Du Dir selber Deine Probleme mit
> Nähe usw. "vergibst" und dann auch offen dazu stehst und sie dem Partner
> benennen und halbwegs erklären kannst und willst ... oder ob Du sie Dir
> selber eben nicht vergibst und von _dir selber_ erwartest jetzt bei
> diesem Menschen den Du doch magst gefälligst normal zu sein um dessen
> Zuneigung nicht zu gefährden. Das wirkt als Turbolader für Angst dann,
> wenn man sie sich noch nichtmal selber "entschuldigen" kann.
> 
> Wie ist das bei Dir...?

*Nick*. Ja, das ist bei mir auch so. Es fällt mir nur so schwer, offen
darüber zu reden.

> Lieben Gruß
> Klaus

Danke und Gruß, Michael
Datum: 31 Jul 2008 18:36:20 GMT   Autor:   Michael

Re: Brief an meine Mutter   
x-no-archive: yes
On Fri, 11 Jul 2008 08:51:36 +0200, Michael
 wrote:

Hallo,

sicherheitshalber mal ein Spoiler...

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>ich hab' mit meiner Mutter telefoniert. Sie hat alles auf den Arzt abgewälzt und
>gesagt, sie hätte nur getan, was der Arzt ihr empfohlen hätte. Entweder war der
>Arzt dumm (phallische Phase und Ödipuskomplex sind seit Freud bekannt) oder er
>wollte mir Böses antun.

du schreibst "WAS der Arzt ihr EMPFOHLEN hätte". Er hat ihr einen wie
auch immer gearteten Rat gegeben, den sie auf ihre Art und Weise
erstens angenommen und zweitens umgesetzt hat.

Im übrigen stellt sich ja auch die Frage, WIE man sowas tut. Und auf
die radikale Tour, sein Kind damit zu traumatisieren - das empfiehlt
hierzulande wohl hoffentlich kein Arzt, und falls doch, sollten Eltern
so helle sein und diesen Rat dann nicht annehmen.

Gerade bei sowas wie einer Phimose muß mit dem Kind äußerst vorsichtig
umgegangen werden. Möglichst sollte das Kind ja die Behandlung -
soweit möglich - auch selber durchführen (meiner Meinung nach). Ist ja
meist ohnehin nur eincremen und "üben". Und weitergehende Dinge muß
ohnehin der Arzt machen.

Bye, Michael (der zweite hier ;-))
Datum: Fri, 01 Aug 2008 09:42:57 +0200   Autor:   Michael

Re: Brief an meine Mutter   
Hallo!
Am Fri, 01 Aug 2008 09:42:57 +0200 schrieb Michael:

> x-no-archive: yes
> On Fri, 11 Jul 2008 08:51:36 +0200, Michael
>  wrote:
> 
> Hallo,
> 
> sicherheitshalber mal ein Spoiler...
> 
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> 
>>ich hab' mit meiner Mutter telefoniert. Sie hat alles auf den Arzt abgewälzt und
>>gesagt, sie hätte nur getan, was der Arzt ihr empfohlen hätte. Entweder war der
>>Arzt dumm (phallische Phase und Ödipuskomplex sind seit Freud bekannt) oder er
>>wollte mir Böses antun.
> 
> du schreibst "WAS der Arzt ihr EMPFOHLEN hätte". Er hat ihr einen wie
> auch immer gearteten Rat gegeben, den sie auf ihre Art und Weise
> erstens angenommen und zweitens umgesetzt hat.
> 
> Im übrigen stellt sich ja auch die Frage, WIE man sowas tut. Und auf
> die radikale Tour, sein Kind damit zu traumatisieren - das empfiehlt
> hierzulande wohl hoffentlich kein Arzt, und falls doch, sollten Eltern
> so helle sein und diesen Rat dann nicht annehmen.

Traumatisiert wurde ich ja nicht durch die "Behandlung" (Dehnen der
Vorhaut) an sich (außer das sich bei mir wohl dadurch ein Ödipuskomplex
gebildet hat), sondern durch die bitterböse Abfuhr, als ich meine durch die
"Behandlung" hervorgerufene sexuelle Neugier befriedigen wollte.

Ich vermute, dass der Arzt neidisch auf meine Ausstrahlung war und er
deshalb diesen schädigenden Ratschlag gab. Meine Mutter war halt gutgläubig
und naiv und hat den Ratschlag leider befolgt.

Außerdem wurde ich durch eine extrem körperfeindliche Erziehung geschädigt:
Es wurde mir bitterböse verboten, mich selbst zu befriedigen, weil das halt
im katholischen Beichtspiegel als Sünde drin steht, so die Erklärung meiner
Mutter.

Naja, jetzt heißt es halt für mich Ängste und sonstige Mißempfindungen zu
ertragen. Mein Leben ist schon sehr eingeschränkt deswegen. :-(

> Gerade bei sowas wie einer Phimose muß mit dem Kind äußerst vorsichtig
> umgegangen werden. Möglichst sollte das Kind ja die Behandlung -
> soweit möglich - auch selber durchführen (meiner Meinung nach). Ist ja
> meist ohnehin nur eincremen und "üben". Und weitergehende Dinge muß
> ohnehin der Arzt machen.

Ja. Genau. Und während der phallischen Phase ist der Penis eines kleinen
Buben auch für den Arzt tabu.

> Bye, Michael (der zweite hier ;-))
Gruß, Michael
Datum: 10 Aug 2008 16:13:10 GMT   Autor:   Michael

Re: Brief an meine Mutter   
Am Sat, 19 Jul 2008 12:19:10 +0200 schrieb Klaus Angsthase:
> Ein wesentlicher Punkt ist eben, ob Du Dir selber Deine Probleme mit
> Nähe usw. "vergibst" und dann auch offen dazu stehst und sie dem Partner
> benennen und halbwegs erklären kannst und willst ... oder ob Du sie Dir
> selber eben nicht vergibst und von _dir selber_ erwartest jetzt bei
> diesem Menschen den Du doch magst gefälligst normal zu sein um dessen
> Zuneigung nicht zu gefährden. Das wirkt als Turbolader für Angst dann,
> wenn man sie sich noch nichtmal selber "entschuldigen" kann.
> 
> Wie ist das bei Dir...?

Mein größtes Problem im zwischenmenschlichen Kontakt ist, dass in mir eine
Wut vor sich hin köchelt, die hochkocht und in den zwischenmenschlichen
Kontakt gerät. Da hab' ich noch keine Lösung dafür. Ich kann darüber reden,
aber wer will denn schon einen Freund/Partner, der seine Wut an einem
auslässt? Angst kann ich aushalten oder wenn es wichtig ist mit einem
Tranquilizer vermindern, aber was mache ich mit der Wut? Sport treiben
vielleicht, aber ob das wirklich hilft? Ich bin total ratlos und traurig.

Gruß, Michael
Datum: 13 Aug 2008 15:38:26 GMT   Autor:   Michael

Re: Brief an meine Mutter   
Hallo!
Ich muss hinzufügen, dass die Erkenntnis, dass die Wut ein Problem im
zwischenmenschlichen Kontakt ist, neu ist. Das war mir bisher leider noch
nicht bewußt.

Zwei Freundschaften fallen mir ein, die durch die Wut zerstört worden sind.

Dann führe ich auch keinen Smalltalk mit den Kellnern in den Restaurants,
in denen ich regelmäßig zum Mittagessen gehe. Da habe ich letztens auch die
Wut gespürt.

Erst vor kurzem ist mir die Wut in eine Email gelangt. Die Folge war
Kontaktabbruch *seufz*.

Und ich muss mir selber widersprechen: Es ist sehr wichtig ,frühzeitig über
die Wut zu reden, nicht erst, wenn sie da ist!

Gruß, Michael
Datum: 15 Aug 2008 18:55:36 GMT   Autor:   Michael

Re: Brief an meine Mutter   
x-no-archive: yes
On 10 Aug 2008 16:13:10 GMT, Michael
 wrote:

>> sicherheitshalber mal ein Spoiler...
>> 
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>>>ich hab' mit meiner Mutter telefoniert. Sie hat alles auf den Arzt abgewälzt und
>>>gesagt, sie hätte nur getan, was der Arzt ihr empfohlen hätte. Entweder war der
>>>Arzt dumm (phallische Phase und Ödipuskomplex sind seit Freud bekannt) oder er
>>>wollte mir Böses antun.
>> 
>> du schreibst "WAS der Arzt ihr EMPFOHLEN hätte". Er hat ihr einen wie
>> auch immer gearteten Rat gegeben, den sie auf ihre Art und Weise
>> erstens angenommen und zweitens umgesetzt hat.
>> 
>> Im übrigen stellt sich ja auch die Frage, WIE man sowas tut. Und auf
>> die radikale Tour, sein Kind damit zu traumatisieren - das empfiehlt
>> hierzulande wohl hoffentlich kein Arzt, und falls doch, sollten Eltern
>> so helle sein und diesen Rat dann nicht annehmen.
>
>Traumatisiert wurde ich ja nicht durch die "Behandlung" (Dehnen der
>Vorhaut) an sich (außer das sich bei mir wohl dadurch ein Ödipuskomplex
>gebildet hat), sondern durch die bitterböse Abfuhr, als ich meine durch die
>"Behandlung" hervorgerufene sexuelle Neugier befriedigen wollte.

auch das fällt für mich unter das "WIE". Daß es bei jeder Behandlung
Begleiterscheinungen gibt, ist nichts neues.

>Ich vermute, dass der Arzt neidisch auf meine Ausstrahlung war und er
>deshalb diesen schädigenden Ratschlag gab. Meine Mutter war halt gutgläubig
>und naiv und hat den Ratschlag leider befolgt.

steht für dich fest, daß der Arzt das versaut hat und deine Mutter
absolut nichts dafür konnte?

Wenn ja, warum? Was hinderte deine Mutter, die biologische Funktion
des Menschen zu respektieren? Was zwang deine Mutter, ihre eigene
Religion vor die Natur zu stellen?

>Außerdem wurde ich durch eine extrem körperfeindliche Erziehung geschädigt:
>Es wurde mir bitterböse verboten, mich selbst zu befriedigen, weil das halt
>im katholischen Beichtspiegel als Sünde drin steht, so die Erklärung meiner
>Mutter.

ach? Hat sich die Natur (!!!) neuerdings nach dem katholischen
Beichtspiegel zu richten?

>Naja, jetzt heißt es halt für mich Ängste und sonstige Mißempfindungen zu
>ertragen. Mein Leben ist schon sehr eingeschränkt deswegen. :-(

das ist - im wahrsten Sinne des Wortes - keinesfalls ein gottgegebener
Zustand.

Johannes Paul II. erklärte in den 80er Jahren die Grundsätze, unter
deren Nacktheit auch für die katholische Kirche kein Problem
darstellt.

Im wesentlichen (ganz grob dargestellt) lief es darauf heraus, daß
mittels der Nacktheit nicht die Würde des Menschen herabgesetzt werden
sollte.

Ohne es im Detail zu wissen, gehe ich auch davon aus, daß die
katholische Kirche eine ähnliche Einstellung zur Erforschung des
EIGNEN Körpers haben wird.

Damit wir uns nicht mißverstehen: die reine Masturbation wird von der
Kirche sicherlich nicht abgesegnet. Wenn das aber im Rahmen der
Kindesentwicklung sich als temporäre Begleiterscheinung ergibt, wird
die Kirche damit auch kein Problem haben.

Es liegt in der Natur (oder, wenn man so will, in Gottes Schöpfung),
daß der Mensch mit Erlangung seiner Geschlechtsreife seinen eigenen
Körper erst wirklich kennen lernt. Die Kirche erlegt vielleicht
Regelungen auf, in welchem Rahmen das zu geschehen hat. Aber
untersagen tut sie das sicherlich nicht.

Bye, Michael (der zweite hier ;)).
Datum: Fri, 29 Aug 2008 10:57:37 +0200   Autor:   Michael



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